B wie Blog, das Positionspapier der CDU zum JMStV

| 0 Kommentare | 0 TrackBacks

Die CDU, genauer der "Medienpolitische Expertenkreis der CDU" sucht nach einem neuen Jugendmedienstaatsvertrag. In Teilen muss ich zugeben: "das habt ihr gut gemacht". Die Erkenntnisse etwa Meinungsfreiheit und Verantwortung zu einem Leitbild zu erklären oder Jugendliche nicht versehentliche ungeeigneten Medien ausliefen zu wollen, die deuten offensichtlich auf einen Willen hin, ernsthaft eine Lösung zu finden. Das ist zu begrüßen.


Regulierte Selbstregulierung

Doch es gibt auch Fragen und ernste Zweifel. Ist das Prinzip der regulierten Selbstregulierung in Deutschland überhaupt ein Erfolg? Und wenn ja, kann das so einfach auf das Internet übertragen werden?

Auf die erste Frage ist bedingt mit ja zu antworten. Es ist ein Erfolg, wenn die Darstellung von Menschen als Objekt wenigstens in die Nachtstunden des TVs verbannt wird. Es existieren definitiv Grenzen dessen, was man aus Quotengründen senden darf. Dieser Verantwortung kommen die Sender und Medien größtenteils nach. Das ist auch ein Verdienst des Jugendmedienstaatsvertrags.

 

Pornoproduzenten

Auf der anderen Seite, die Selbstregulierung hat nicht wirklich für weniger Pornographie gesorgt. Wer hier nun annimmt, das läge daran, dass "internet for porn" sei, der muss sich fragen, wer Pornographie denn produziert. Und der muss sich fragen, wer ein Interesse an der Verbreitung von Pornographie hat. Man könnte die massive Verbreitung von Pornographie im Internet als Werbung einer Industrie verstehen. Man kommt dann nicht umhin festzustellen, dass das Internet hier zusammen mit seinen Nutzern von einer Pornoindustrie in unverantwortlicher Weise benutzt und missbraucht wird.


Sexualisierung der Gesellschaft

Ehrlich gesagt, es reicht mit nicht, die Pornographie in die Nachtstunden zu verbannen. Es reicht mir auch nicht Pornographie überhaupt verbieten zu wollen. Das wäre aus mehreren Gründen wenig zweckmäßig. Das Frauenbild, gerade auch bei Jugendlichen leidet nicht nur in den Medien und dem Internet. Es leidet vielmehr an und in unserer Gesellschaft - real körperlich wie geistig schmerzhaft! Das erfahren gerade junge Frauen, wenn sie sich dem "Schönheitsideal" nicht widersetzen können, das auch - wenn auch nicht nur - von den TV-Sendern, gerade auch von den "Privaten", verbreitet wird. Werbung und Medien, auch die Musikindustrie machen Körperkult zu einem Geschäft. Solange dieses massiv verzerrte Frauenbild gesellschaftsfähig ist, so lange müssen wir uns über frauenfeindliche Pornographie nicht wundern. Aus meiner Sicht ist die Altersgrenze von 18 wenig sinnvoll. Denn die gesamte Gesellschaft erfährt seit Jahren eine immer stärker werdende negative Sexualisierung.


Aufklärung

Dagegen finden sich etwa bei ARTE ab und an Beiträge, die sich mit Sexualität beschäftigen. Kürzlich etwa im Kontext von Comics. Das war sehenswert und relativiert die Stereotypen, die in der Debatte immer wieder auftauchen. Comics mit sexuellem Inhalt beispielsweise halte ich nicht grundsätzlich jugendgefährdend. Sex ist nicht grundsätzlich jugendgefährdend. "Kein Sex" wäre sogar menschheitsgefährdend. Natürlich kann Pornographie Jugend- und Menschengefährdend und widerwärtig sein. Sie ist es aus meiner Sicht sogar in den meisten Fällen. Das ist dann abzulehnen. Doch es ist keineswegs zu verallgemeinern oder in simple Kategorien 6..18 oder B und X zu packen. So ist und war Sex auch immer Bestandteil der Kunst. Ich lehne es ab, hier subjektiv festgelegte Grenzen zu ziehen.


Technischer Jugendschutz

Es besteht das grundsätzliche Problem, dass ein einfaches statisches Bewertungssystem hier versagen muss. Overblocking kann nicht vermieden werden. Ein negatives Bewertungssystem kann nicht ohne massiven Aufwand auf die Persönlichkeit und Kompetenz eines Jugendlichen zugeschnitten werden. Es ist doch schon für Fachleute unmöglich, einen Werbeblocker für den eigenen Webbrowser sinnvoll selbst zu warten. Die Idee des selbstbestimmten Jugendschutzprogramms in Form eines Filters ist unrealistisch. Doch ein fremdbestimmter Jugendschutzfilter ist gefährlich und verspricht eine Sicherheit, die nicht einmal im Ansatz gewährleistet werden kann.

Sitzen in den TV-Anstalten noch Fachleute, die Einzelfälle bewerten, so ist das im sich dynamisch veränderndem Internet einfach unmöglich. Man stelle sich vor, die Webseiten der Fernsehsender müssten eine Kennzeichnung T wie TV führen und Jugendschutzprogramme würden das im Standardfall so filtern wie ein B für Blog das nach dem CDU-Paper tun soll. Auch die Idee des Verbots einer Kennzeichnung B für eindeutig unzulässige Angebote mutet seltsam an. Entweder sind die Angebote unzulässig oder sie sind es nicht. Eine Kennzeichnung kann an der Zulässigkeit nichts ändern. Wenn jetzt angeführt wird, die Angebote seien doch nur unzulässig für Jugendliche, so sind sie einfach unzulässig. Eine Videothek, die den Pornobereich nicht sichern kann einfach keine Pornographie anbieten.


Blogs

Tatsächlich aber ist weit komplizierter. Blogs ändern sich sehr schnell. Sie beinhalten meist auch Nutzerbeiträge. Niemand kann vorhersehen, was morgen auf einem Blog erscheint, in der Regel selbst der Betreiber nicht. So hat zum Beispiel der AK-Zensur "keinerlei Einfluss" darauf, was ich hier schreibe. Wenn man meine pauschale Betrachtung der Analogie zu den Videotheken ablehnt, dann ist sicher, dass sich niemand auf die Kennzeichnung 'B' und auch nicht auf eine manuelle Freischaltung eines Blogs verlassen kann. Ein Blogger kann so sehr schnell in unangenehme Situationen geraten, wenn er einen Schwanzhund entdeckt und Loriot die Ehre erweist.


Bewertung und Systeme

Es lässt sich - wie auch die CDU korrekt feststellt - nicht verhindern, dass Jugendliche ungeeignete Inhalte sehen. Wenn das so ist und wenn wir uns da schon einig sind, dann müssen wir nicht gegen Windmühlen ankämpfen. Das bedeutet aber nicht, das wir nichts tun könnten. Weil am Anfang die Idee ist: Das beste Mittel wäre einfach, wenn Jugendliche um die Auswirkungen wüssten, die durch das entstehen, was sie da konsumieren wollen. Noch besser wäre es, wenn das auch Erwachsene wüssten. Am Besten wäre es, wenn aufgehört würde uns mit aller Macht zu immer mehr sinnlosen Konsum zu verführen. Marktliberalisierung und Produktvirtualisierung ist eben nicht Alles. So mancher wirklich Konservative würde pragmatisch sagen: es gibt Werte höher Priorität.
 
Mit scheint es, das Bewertungssystem soll gerade unzulässige Inhalte ermöglichen. Das ist Absicht, um das fragwürdige Geschäft mit der Würde des Menschen überhaupt zu zuzulassen und gar zu verbessern. Ich finde, Medienunterdrückung - und das ist objektiv der Nebeneffekt der Wirtschaftsförderung durch Jugendschutzprogramme - durch ein negatives Bewertungssystem ist genau das Gegenteil von Jugendschutz. Die Freiheit der Medien Verfassungsrang und das hat einen guten Grund.


Das Grundgesetz

Ob ein Verbot oder die Einschränkung von Pornographie durch die Jugendschutzprogramme der KJM der Verfassung wirklich gerecht wird wenn da steht: "Diese Rechte finden ihre Schranken ... zum Schutze der Jugend", das einfach eine Frage der Logik, der Wirksamkeit und der Verhältnismäßigkeit. Offensichtlich überlässt das Grundgesetz diese Entscheidung dem Gesetzesgeber in der weisen Voraussicht, dass sich Dinge ändern können. Wenn das so ist, dann ist es keine Option unter veränderten Bedingungen so weiterzumachen wie bisher. Konservatismus ist schließlich niemals Blindheit oder Trotz.


Stellt uns das Internet vor neue Herausforderungen?

Mobbing, Betrug, Sucht, Stalking und Abzocke etc sind tatsächlich zentrale Probleme. Doch die gibt es auf dem Schulhof und an jedem Treffpunkt von Jugendlichen und gar bei Erwachsenen. Es wundert gar nicht, dass es das auch im Internet gibt. Das Internet ist der Spiegel der Gesellschaft. Schaffen wir die Probleme mit Jugendschutzprogrammen der KJM aus der Welt? Oder deutet das nicht auf ein ganz anderes Versagen unserer Gesellschaft und des Staats in der Realität hin, wenn wir technische Lösungen brauchen, uns selbst beschränken zu müssen?

Könnte es sein, dass Ursachen für den Konsum von Pornographie und Gewalt auch in der immer schlechter werdenden sozialen und intellektuellen Lage einiger Jugendlicher zu suchen ist? Könnte es sein, dass Gruppenbildung durch ausländerfeindliche Tendenzen oder Stereotypen der Gesellschaft eine Moral und Verantwortung nicht stärkt? Könnte es sein, das TV-Billigproduktionen ein egoistisches und diskreditierendes Weltbild vermitteln, dass aktiv soziale Kompetenz vernichtet? Ist es nicht so, dass Zusammenhalt in der Gesellschaft nötiger als je ist?

Noch einmal, es ist nicht ausreichend, Jugendliche in ihrem Pornographiekonsum zu beschränken. Die einfache Tatsache, dass ein TV-Sender rechtlich für seinen Inhalt verantwortlich ist, die belegt das ganz eindeutig. Das Problem betrifft im Wesentlichen die Erwachsenen. Anders herum wedelt der Schwanz mit dem Hund.


Das Netz

Aus meiner Sicht hält uns das Internet ein riesiges rotes Plakat direkt vor die Nase: "SCHAU HER, DAS IST SCHLECHT". Wir sagen dann: "Oh Gott, tatsächlich! Das Netz ist so schlecht", reißen das Plakat herunter und vernichten es. Macht es das besser? Das Internet stellt uns nicht vor neue Herausforderungen. Die Herausforderungen sind alle schon ohne das Netz vorhanden. Das Internet zeigt uns nur, wo wir heute massiv versagen und wo die Herausforderungen sind. In diesem Sinn hilft das Netz uns zu erkennen, was richtig und was falsch ist. Natürlich, das setzt voraus, dass man sich damit auskennt und die Dinge nicht nach Hörensagen urteilt. Schon gar nicht meint das, Jugendschutz zu predigen und Pornos zu verkaufen.


Keine Sperrverfügungen

Es ist wirklich schön, dass die CDU mit uns gemeinsam Sperrverfügungen ablehnt. Das Bedauern im Unterton ist aber unnötig. Denn wir sind nicht dagegen, dass Jugendliche geschützt werden. Wir sind dafür, dass unzulängliche Mittel mit negativen Seiteneffekten kein Alibi für unterlassenem Jugendschutz bilden. Es ist nicht kompliziert eine DNS-Sperre einzurichten. Doch es ist kompliziert oder allgemein unmöglich diese Sperre im Sinn des Grundgesetzes zu gestalten. Sperren betreffen je nach Realisierung auch das Ausland und führten schon einmal dazu, dass die halbe Welt auf pakistanischen Knopfdruck vor youtube "geschützt" wurde. In Dänemark wurde gerade Facebook und Google mit 8000 anderen Webseiten aufgrund eines polizeilichen "Fehlers" gesperrt. Das Missbrauchspotential der Internetregulierung ist massiv und widerspricht den Menschenrechten. An der Situation und den Ursachen ändert das gar nichts, wenigstens nichts Positives. Wer glaubt tatsächlich daran, dass eine Kriminalisierung dazu führt, dass unzulässige Medien dann nicht mehr "unter dem Ladentisch verkauft" werden. Sieht man nicht, dass wir uns mit diesen Mitteln jeglicher Kontrolle berauben?

Sperrt man das Internet und ignoriert das Problem, so handelt man folglich grob fahrlässig.


Jugendschutzprogramme

Die Anerkennung der Jugendschutzprogramme durch die KJM ist eine Farce. Denn da wurden nicht die Programme an den von der KJM selbst erklärten Notwendigkeiten ausgerichtet. Die Regeln wurden aufgeweicht um überhaut wenigstens zwei Programme zulassen zu können. Das ist sogar verständlich. Denn die geforderten Jugendschutzprogramme lassen sich nicht vernünftig implementieren (der Autor ist Softwareentwickler). Zudem ist die Idee technisch total veraltet. Wer meint, Kids, die eine PS3 hacken und sich mit Sony anlegen können, die hätten irgend ein Problem mit einem Jugendschutzprogramm? Solche Jugendliche sind heute kein Einzelfall mehr. Tatsächlich sollten wir stolz auf ihre Kompetenz sein. Denn sich ein eigenes Betriebssystem auf seinem Spielzeug installieren zu wollen, das ist kein Verbrechen. Verwerflich ist ehr das Verhalten der Industrie, die den Erschöpfungsgrundsatz mit allen Mitteln aushebeln will.

Dabei liegt eine sinnvolle Lösung auf dem Tisch. Das w3c arbeitet an Ideen wie POWDER und an der Idee des semantischen Netzes. Das w3c tut das mit massiver Kompetenz. Die Idee ist zwar nicht primär für den Jugendschutz gedacht, doch die hat den Vorteil, das sinnvolle Inhalte im Netz einfacher erkannt werden können. Geben wir den Menschen sinnvolle Inhalte und die Möglichkeit sie zu finden - ohne Google-Ranking und Suchmaschinenmanipulationen. Erweitern wir die Idee des Links und des Netzes in logischer Konsequenz. Wie viele sinnvolle Angebote von und mit Jugendlichen könnte man fördern, wenn auf unwirksame Jugendschutzprogramme verzichtet wird? Und wie viel Mehrwert könnte ein echtes WEB2.0 für uns Alle bedeuten?

Freilich, einige meiner Leser und vielleicht auch die Autoren des CDU-Papiers werden mit dem Hinweis auf POWDER heute überfordert sein. Zu viel abstrakte Technik in einer laufenden Entwicklung. Doch unabhängig davon ist die Idee des semantischen Netzes ist so herausragend, dass wir eines nicht so fernen Tages nicht mehr verstehen werden, wie es jemals anders sein konnte. So gesehen ist es weit mehr im Sinn des Jugendschutzes die Idee des w3c zu stärken, als eine Telekom zu unterstützen, die als "Erotikanbieter" einfach nur ihr Geschäftsmodell mit dem Jugendschutzfilter ermöglicht.


Identitätsklau

Ich halte es für falsch, "Identitätsklau" mehr als bisher unter Strafe zu stellen. Es geht hier um Kinder und Jugendliche, die hier kriminalisiert werden sollen. Wir dürfen keine Gräben zwischen der Gesellschaft der Erwachsenen und denen aufzureißen die einmal die zukünftigen Regierungen stellen werden. Wir brauchen nicht mehr sondern weniger Opposition im Umgang mit unseren Kindern. Wir müssen sie vielmehr auf ihre Aufgabe vorbereiten. Wir müssen schon deshalb besonders vorsichtig sein, weil - wie schon dargestellt - Konsumverhalten, eine Porno-, eine Konsumgüter-, Medien- und eine Werbeindustrie verantwortlich für das Problem ist. Das Problem sind weder die Jugendlichen noch die Eltern oder Erzieher oder das Internet. Stabile und selbstbewusste Jugendliche sind in der Lage das, was wir halbherzig anprangern, abzulehnen und einfach auszuschalten. Wörtlich, ich habe das mehrfach erfahren. Viele Jugendliche, mit denen ich gesprochen habe sind hier im Alter von 12 bis 18 wesentlich weiter, als mancher Erwachsene.


Recht auf Medienkompetenz

Kompetente Lehrer und Eltern sind natürlich in der Lage sinnvolle Werte zu vermitteln und da hat das CDU-Papier einfach Recht. Das Recht auf Medienkompetenz ist vielleicht der stärkste Vorschlag des CDU-Papiers. Es ist auch richtig, das die konkrete Umsetzung unter das Länderrecht fällt. Hier gibt es aber auch andere Lösungen. In jedem Fall hat die Bundesregierung, haben Ministerien hier Möglichkeiten wenigstens eine Diskussion anzustoßen. Es braucht ein Fach Medienkunde in der Schule, das wirkliche Kompetenz vermittelt. Dazu müssen Lehrer ausgebildet werden. Es ist selbstverständlich, dass ein nicht zensierter Internetzugang dazu gehört. Medienkunde kann nicht vermittelt werden, wenn die Schule Jugendschutzfilter verwendet. Wie soll ein Schüler Rezipientenfreiheit verstehen, wenn in der Schule das geblockt wird, das er zuhause und bei Freunden ohne Probleme sehen kann. Wie soll er das insbesondere dann, wenn es nicht um pornographische Inhalte geht? 'B' wie Blogger wird im Standardfall genau so gesperrt, wie alle Seiten aus Israel, den USA oder aus Frankreich. Das ist unabhängig vom Inhalt, denn diese Seiten verwenden unsere "Porno-Kennzeichnungen" nicht. Zu meinen Schulzeiten wurden die dazu notwendigen Sprachen noch gelehrt. Damals war man offensichtlich nicht der Meinung, man müsse Unterricht auf Kernkompetenzen der Addition und Subtraktion beschränken.

Es ist nicht möglich, ein Menschenbild in schlechten Filmen anzuprangern, ohne den Film gesehen zu haben. Wir haben im Englischunterricht "Groschenromane" gelesen und dabei mehr als nur englisch gelernt. Es ist möglich, altersgerecht über Pornographie und negativer Sexualisierung aufzuklären. Die Gefahren der Realität zwingen uns sogar dazu. Es geht nicht darum, Kindern dazu Pornos zu zeigen. Es geht darum, dass heute oft genug Lehrer die Schüler fragen, wie man den Schulfilter umgehen kann um einen sinnvollen Unterricht zu gestalten. Medienkunde und die Position des Grundgesetzes zur Freiheit der Kommunikation muss glaubhaft vermittelt und realisiert werden. Jugendliche haben ein sehr feines Gespür, wenn Erwachsene ihnen hier etwas vormachen wollen.


Lösung?

Es ist mir vollständig klar, hier keine fertige Lösung präsentiert zu haben. So lasse ich der CDU gerne den Ruhm, wenn sie sich weiter in die "richtige Richtung" bewegt. Denn Lösungen müssen entwickelt werden. Selbstverständlich ist das Arbeit. Wir müssen endlich aufhören an Symtomen herumzudoktern. Das CDU-Papier nennt sehr wichtige Punkte, doch greift mit den Vorschlägen aus dem alten JMStV einfach zu kurz. Selbst der positive Teil des Ansatzes kann nichts an der Tatsache ändern, dass die Beschränkung der Diskussion auf den Jugendmedienstaatsvertrag nicht zielführend ist. Es scheint mir sinnvoller, den Vertrag auf die klassischen Medien zu reduzieren und parallel aktiv echten Jugendschutz zu entwickeln und zu betreiben. Davon hängt unsere Zukunft und unsere Wirtschaft in erheblichem Maße ab.

Das muss so geschehen, dass Jugendliche gestärkt und kompetent werden können und dürfen. Dazu muss Geld in die Hand genommen werden. Dazu braucht es Bildung und Kultur. Dazu muss es wieder Jugendzentren und mehr Jugendarbeit geben. Dazu braucht es sinnvolle Inhalte für und von Jugendlichen im Netz, die auch gefunden werden können. Dazu müssen auch schwache Familien gestärkt werden. Pornokonsum ist zwar keineswegs ein Problem einer "Unterschicht" und Diskreditierung ist keineswegs "mutig". Doch macht es besonders Sinn, sich um Jugendliche in prekären Verhältnissen zu kümmern.

Das Engagement von Vereinen, Webseiten für Jugendliche und die Arbeit aller, die direkt mit Jugendlichen umgehen muss gestärkt werden. Wir benötigen wirkliche Alternativen für Jugendliche. Es braucht wissenschaftlich fundierte Aussagen um Entscheidungen treffen zu können.

Nicht zuletzt müssen wir uns alle direkt an die eigene Nase fassen. Youporn wird es nicht mehr geben, wenn niemand mehr einen Grund hat da hinzuschauen. Solange es noch "Kunden" gibt und solange es keine Angebote für Jugendliche gibt, die sie mehr interessieren, so lange wird kein Jugendmedienstaatsvertrag hier Linderung bringen können. Wir sollten tatsächlich unser "Erwachsenenrecht" und unsere Eigenverantwortung überbedenken.

Der klassische JMStV schreibt das Gegenteil fest.

Keine TrackBacks

TrackBack-URL: http://ak-zensur.de/mt/mt-tb.cgi/933

Jetzt kommentieren

Pressemeldungen

Jugendschutz im Internet: Zurück in die Vergangenheit
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur warnt vor der geplanten Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV).  Die Bundesländer beabsichtigen die Regeln zum…
Geheimverhandlungen à la ACTA
Bundeswirtschaftsministerium verhandelt Warnhinweismodell unter Ausschluss der Öffentlichkeit Berlin, 13.03. Am kommenden Donnerstag verhandeln das Bundeswirtschaftsministerium,  Vertreter der Inhalte-Industrie und Internetanbieter…
AK Zensur: Verbot von Internet-Sperren in der Verfassung verankern
Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hat mehrere Verbände eingeladen, den Referentenentwurf zum Netzsperren-Aufhebungsgesetz zu kommentieren – darunter auch uns. In…
Aktuelle Sperrverfügungen in NRW
Zu den heute bekannt gewordenen Fällen neuer Sperrungsverfügungen der Bezirksregierung Düsseldorf, die auf die Blockade der Websites "bwin.com" und "tipp24.com"…
Arbeitskreis gegen Internetsperren und Chaos Computer Club warnen vor dem Einschleppen von Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) und der Chaos Computer Club (CCC) warnen vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der…
Erfolg der Vernunft: Gesetz zu Internet-Sperren wird aufgehoben
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) begrüßt die am Dienstag Abend bekannt gewordenen Pläne des Koalitionsausschusses von CDU/CSU…
Der AK Zensur hat gestern Verfassungsbeschwerde gegen das Internet-Sperr-Gesetz („Zugangserschwerungsgesetz“) eingelegt
Vor einem Jahr ist das Zugangserschwerungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz verpflichtet Internet-Zugangs-Anbieter dazu, Websites mit kinderpornographischen Inhalten, die auf…
Europäisches Parlament stellt die Weichen gegen verpflichtende Netzsperren in der EU
Straßburg. Der Innenausschuss des Europäischen Parlaments hat am Montagabend über den Kompromissvorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates…
Scheitern des JMStV ist ein Sieg der Vernunft
Zum Scheitern der Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages durch die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen Stellungnahmen von einigen Mitgliedern und Unterstützern des…
Ein Schritt in die richtige Richtung: Ablehnung des JMStV in NRW
Sachlichkeit statt parlamentarischer Zwänge Zu dem Beschluss von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen, die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages im Landtag abzulehnen,…