Internetsperren in Down Under

| 0 Kommentare | 1 TrackBack

Am 15.12.2009 verkündete die australische Regierung, die Installation eines zweigleisigen Internetsperrsystems weiter zu forcieren. Eine Gesetzesvorlage soll dem Parlament nächsten März vorgelegt werden. Ein Jahr nach Verabschiedung des Gesetzes sollen die Netzsperren eingerichtet sein.

Dabei sollen für jedermann „als abzulehnend eingestufte Inhalte“ (wie etwa sexuelle Gewalt, nicht nur gegen Kinder, Anleitungen zu kriminellen Handlungen und zum Drogenkonsum) direkt bei den Providern ausgefiltert werden. Als zweite Ebene wird den Internetnutzern eine freiwillige Zusatzoption angeboten, um „für Kinder ungeeignete Inhalte“ entfernen zu lassen.

Die Filterliste wird von der „Australian Communications and Media Authority (ACMA)“ gepflegt, die auch für „notice and take down“ innerhalb Australiens zuständig ist. Dabei ist nicht vorgesehen, auch ausländische Hoster anzuschreiben (wie es die deutsche Bundesregierung momentan anstrebt).

Tests hätten ergeben, dass Inhalte zu 100% akkurat und ohne nennenswerte Performance-Einbuße gefiltert werden könnten. Dazu wurden verschiedenste Methoden (bis hin zur Deep Packet Inspection) angewandt. Damit wäre Australien die erste „westliche“ Nation, die ähnlich tief wie China oder Iran in die Internetstruktur eingreift.

Gegner der Vorhaben argumentieren mit der Ineffektivität der Sperren (umgehbar) und den hohen Kosten (Save the Children Australien setzt sich – im Gegensatz zur deutschen Abteilung der Kinderschutzorganisation – aus diesem Grund GEGEN Internetsperren ein).

Ähnlich wie in Deutschland wehrt sich „die Community“ mit kreativen Aktionen wie Petition oder twitter-Stürmen (mit zum Teil abgedunkelten Avataren) unter den Tags #nocleanfeed und #openinternet und organisiert ihren Protest.

Der AK Zensur wünscht den Sperrgegnern in Australien viel Erfolg bei ihrem Kampf gegen die Errichtung einer Zensurinfrastruktur und wird die Lage weiterhin genau beobachten.

1 TrackBack

TrackBack-URL: http://ak-zensur.de/mt/mt-tb.cgi/533

Von Christian Woehrl | AK Zensur Am 15.12.2009 verkündete die australische Regierung, die Installation eines zweigleisigen Internetsperrsystems weiter zu forcieren. Eine Gesetzesvorlage soll dem Parlament nächsten März vorgelegt werden. Ein Jahr nach V... Mehr

Jetzt kommentieren

Pressemeldungen

Jugendschutz im Internet: Zurück in die Vergangenheit
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur warnt vor der geplanten Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV).  Die Bundesländer beabsichtigen die Regeln zum…
Geheimverhandlungen à la ACTA
Bundeswirtschaftsministerium verhandelt Warnhinweismodell unter Ausschluss der Öffentlichkeit Berlin, 13.03. Am kommenden Donnerstag verhandeln das Bundeswirtschaftsministerium,  Vertreter der Inhalte-Industrie und Internetanbieter…
AK Zensur: Verbot von Internet-Sperren in der Verfassung verankern
Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hat mehrere Verbände eingeladen, den Referentenentwurf zum Netzsperren-Aufhebungsgesetz zu kommentieren – darunter auch uns. In…
Aktuelle Sperrverfügungen in NRW
Zu den heute bekannt gewordenen Fällen neuer Sperrungsverfügungen der Bezirksregierung Düsseldorf, die auf die Blockade der Websites "bwin.com" und "tipp24.com"…
Arbeitskreis gegen Internetsperren und Chaos Computer Club warnen vor dem Einschleppen von Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) und der Chaos Computer Club (CCC) warnen vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der…
Erfolg der Vernunft: Gesetz zu Internet-Sperren wird aufgehoben
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) begrüßt die am Dienstag Abend bekannt gewordenen Pläne des Koalitionsausschusses von CDU/CSU…
Der AK Zensur hat gestern Verfassungsbeschwerde gegen das Internet-Sperr-Gesetz („Zugangserschwerungsgesetz“) eingelegt
Vor einem Jahr ist das Zugangserschwerungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz verpflichtet Internet-Zugangs-Anbieter dazu, Websites mit kinderpornographischen Inhalten, die auf…
Europäisches Parlament stellt die Weichen gegen verpflichtende Netzsperren in der EU
Straßburg. Der Innenausschuss des Europäischen Parlaments hat am Montagabend über den Kompromissvorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates…
Scheitern des JMStV ist ein Sieg der Vernunft
Zum Scheitern der Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages durch die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen Stellungnahmen von einigen Mitgliedern und Unterstützern des…
Ein Schritt in die richtige Richtung: Ablehnung des JMStV in NRW
Sachlichkeit statt parlamentarischer Zwänge Zu dem Beschluss von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen, die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages im Landtag abzulehnen,…