Öffentlich geförderte Jugendseite: wie einstufen?

| 5 Kommentare | 2 TrackBacks

Gestern war die Frage, wie wohl ein Blog-Eintrag zum Spiel Red Dead Redemption nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag zu bewerten sei. Die Auflösung: Wieder lagen viele falsch, rund 50% hätten die Seite zu hoch (ab 18) bewertet. Richtig ist: ab 16 Jahren. Details und die Begründung dazu unten.

Heute stellen wir eine leicht andere Frage: Wie müsste die Rubrik Fotoalbum Bei Netzcheckers gekennzeichnet werden? Hier geht es nicht um eine statische Seite, sondern um Inhalte, die sich permanent ändern können.

>> zur Übersicht / Projektseite

Netzcheckers ist ein „Jugendportal für digitale Kultur“. Es wird vom Bundesfamilienministerium gefördert und von der IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. betrieben. Unser Bewerter Jürgen Ertelt ist dort für das Portal Netzcheckers zuständig.

Zur Bewertung haben wir uns die Rubrik Fotoalbum ausgesucht. Dort können die Nutzer (also i.d.R. Jugendliche) Fotos hochladen und kommentieren. Es ist keine statische Seite, sie kann sich jederzeit ändern. Es ist also bei der Bewertung nicht nur zu beachten, wie die derzeitige Seite aussieht, sondern auch was dort stehen könnte.

In welche Altersstufe müsste diese Rubrik als Ganzes nach den Kriterien des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags eingestuft werden? Frei für alle, ab 6, ab 12, ab 16 oder erst ab 18?

http://netzcheckers.de/p661945106_385.html

 

Morgen kommt wie immer Hier ist die Auflösung.

 

Begründung zur Einstufung des Blog-Eintrags zu Red Dead Redemption

Der Medienpädagoge Jürgen Ertelt hat für uns wieder die Bewertung der gestrigen Seite vorgenommen, und zwar mit Blick auf die Kriterien des JMStV, so wie sie ein entsprechender Prüfer bewerten könnte:

Zu beachten gilt, dass ein Labeling nach JMStV grundsätzlich freiwillig ist. Wenn allerdings eine Gefährdung eintreten kann – und wer will das ausschließen können –,  werden eine Kennzeichnung bzw. „geeignete Maßnahmen“ verpflichtend. Der JMStV sieht keine Fachlichkeit bei der Bewertung vor. Jeder Anbieter muss selber entscheiden bzw. professionelle Hilfe beanspruchen. Bei falscher Einordnung besteht Abmahngefahr durch Wettbewerber.

Meine Einsortierung basiert auf Erfahrungswerten im beruflichen Umgang mit Jugendschutz-Sichtweisen. Sie ist subjektiv und nicht verbindlich, aber bedenkenswert. ;-)

Ich würde die Seite mit „ab 16 Jahre“  einstufen.

Begründung: Der Blog-Eintrag ist als Spielekritik zu verstehen. Der Text ist euphorisch und selbstbezogen formuliert, er empfiehlt das mit 18 Jahren eingestufte Spiel nicht anderen zu Nutzung. Das eingebundene Video ist eine Animation aus Spielszenen und zeigt in seiner fiktionalen Darstellung u.a. die blutige Tötung von Menschen, allerdings nur kurz und nicht ausgiebig und detailliert inszeniert. Im Gegensatz zum Spiel ist das Video nicht interaktiv zu steuern. Eine intensive Rollen-Identifikation ist bei dem Video-Trailer auszuschließen, es bleibt eine filmische Darstellung. Das Trailer-Video ist nicht mit den gleichen Kriterien, die an das Spiel angelegt wurden, zu bewerten. Unter Umständen kann das Video sogar einen künstlerischen Anspruch (wie z.B. bei Machinimas) ableiten.

Auch dieses Mal lag die Mehrheit daneben: Rund 50% der Teilnehmer haben die Seite als ab 18 Jahren eingestuft. Auch das zeigt wieder die Probleme, die der JMStV mit sich bringt: Wenn man im Zweifelsfall eine zu hohe Bewertung nimmt, werden u.U. Leser ausgeschlossen. Auch für Kinder und Jugendliche gilt die Meinungs- und Rezipientenfreiheit aus Artikel 5 unseres Grundgesetzes, auch diese haben das Recht, alle öffentlich zugänglichen Inhalte wahrzunehmen. 

2 TrackBacks

TrackBack-URL: http://ak-zensur.de/mt/mt-tb.cgi/625

Wieder die Intimrasur, diesmal bei einer Beratungsstelle von Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) zu 30.05.10 17:58

Gestern stellten wir die Frage, wie eine öffentlich geförderte Jugendseite mit Partizipationsmöglichkeit nach dem JMStV einzustufen sei. Die Auflösung ist dieses mal besonders schwer: unser Experte würde schweren Herzens eine JMStV-Kennzeichnung ab 16 ... Mehr

Klassifizierung eines Blogeintrags zu Red Dead Redemption von Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) zu 30.05.10 19:19

Gestern fragten wir, wie nach dem JMStV wohl die Intimrasur-FAQ aus der de.talk.liebesakt-FAQ bewertet werden müsste. Die Auflösung: rund 70% der teilnehmenden Leser hätten eine zu niedrige Bewertung vergeben, korrekt wäre ab 16 Jahren. Details und die... Mehr

5 Kommentare

Schwierig. Eigentlich sollte hier ständig eine Bewertung durchgeführt werden, *oder* die Seite von vorneherein mit 18 eingestuft werden.

Hmm schwierig; insbesondere da ich keine Regeln dazu gefunden habe was erlaubt ist und was nicht. Außerdem würde ich die Einstufung von der Moderation abhängig machen (Kontrolle vor der Veröffentlichung; unmittelbar nach der Veröffentlichung; stichprobenartig; gar nicht?).
Zuletzt würde ich für das Betrachten und Kommentieren der Bilder eine andere Altersgrenze setzen als für das Hochladen der Bilder.

Ich habe "ab 12" gewählt, aber als Seitenbetreiber würde ich, schon aus Sicherheitsgründen mit dem user generated content, "ab 18" labeln. (Wobei man die Seite dann wohl gleich ganz schließen könnte.)

Der trailer hat ggf sogar eine USK-Kennzeichnung und wenn der eine 18er-Kennzeichnung hätte, müsste auch die website sich an dieser Kennzeichnung orientieren. Kurzum, ohne eine umfassende Recherche, kann hier ggf. keine JMStV-Kennzeichnung vergeben werden.

Eigentlich kann man jedem, der mit seinen Inhalten nicht Geld verdienen muß, nur raten, sie ab 18 zu kennzeichnen. Kinder und Jugendliche haben dann halt verloren… http://singularitaet.org/system-cgi/blog/index.php?itemid=404

"Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, in den verschiedenen Unterabteilungen der Portale Dateien (Texte, Bilder usw. sowie Datenbanken bis auf Weiteres unbegrenzt) unentgeltlich und in der dort jeweils angegebenen Art und Weise einzustellen. Eine inhaltliche oder rechtliche Überprüfung durch die Redaktion erfolgt vor Einstellung regelmäßig nicht. 

Daher verpflichtet sich jeder Teilnehmer gegenüber der Redaktion nur solche Materialien (Texte, Bilder, Datenbanken usw.) einzustellen, die nicht mit Rechten Dritter (insbesondere Urheberrecht, Rechte am eigenen Bild, Persönlichkeitsrechte usw.) belastet sind.
...
Weiterhin verpflichtet sich jeder Teilnehmer gegenüber der Redaktion in den Portalen keinerlei Inhalte oder Materialien einzustellen oder zu nutzen, die gegen Gesetze oder die Rechte Dritter verstoßen. Insoweit dürfen insbesondere keine Inhalte eingestellt oder genutzt werden, die unwahre Tatsachen, Verleumdungen, Schmähungen, rassistische oder extremistische Äußerungen o. ä. enthalten."

Also in den Nutzungsbedingungen steht meiner Meinung nach nichts, was das Einstellen grundsätzlich erlaubter Dinge (also keine Pornographie) verbieten würde und damit müsste die Seite doch eine ab-18 Kennzeichnung erhalten, oder?
Zumal vorher nichts überprüft wird von Seiten der Redaktion.

Jetzt kommentieren

Pressemeldungen

Jugendschutz im Internet: Zurück in die Vergangenheit
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur warnt vor der geplanten Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV).  Die Bundesländer beabsichtigen die Regeln zum…
Geheimverhandlungen à la ACTA
Bundeswirtschaftsministerium verhandelt Warnhinweismodell unter Ausschluss der Öffentlichkeit Berlin, 13.03. Am kommenden Donnerstag verhandeln das Bundeswirtschaftsministerium,  Vertreter der Inhalte-Industrie und Internetanbieter…
AK Zensur: Verbot von Internet-Sperren in der Verfassung verankern
Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hat mehrere Verbände eingeladen, den Referentenentwurf zum Netzsperren-Aufhebungsgesetz zu kommentieren – darunter auch uns. In…
Aktuelle Sperrverfügungen in NRW
Zu den heute bekannt gewordenen Fällen neuer Sperrungsverfügungen der Bezirksregierung Düsseldorf, die auf die Blockade der Websites "bwin.com" und "tipp24.com"…
Arbeitskreis gegen Internetsperren und Chaos Computer Club warnen vor dem Einschleppen von Netzsperren durch neuen Glücksspielstaatsvertrag
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) und der Chaos Computer Club (CCC) warnen vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der…
Erfolg der Vernunft: Gesetz zu Internet-Sperren wird aufgehoben
Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) begrüßt die am Dienstag Abend bekannt gewordenen Pläne des Koalitionsausschusses von CDU/CSU…
Der AK Zensur hat gestern Verfassungsbeschwerde gegen das Internet-Sperr-Gesetz („Zugangserschwerungsgesetz“) eingelegt
Vor einem Jahr ist das Zugangserschwerungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz verpflichtet Internet-Zugangs-Anbieter dazu, Websites mit kinderpornographischen Inhalten, die auf…
Europäisches Parlament stellt die Weichen gegen verpflichtende Netzsperren in der EU
Straßburg. Der Innenausschuss des Europäischen Parlaments hat am Montagabend über den Kompromissvorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates…
Scheitern des JMStV ist ein Sieg der Vernunft
Zum Scheitern der Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages durch die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen Stellungnahmen von einigen Mitgliedern und Unterstützern des…
Ein Schritt in die richtige Richtung: Ablehnung des JMStV in NRW
Sachlichkeit statt parlamentarischer Zwänge Zu dem Beschluss von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen, die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages im Landtag abzulehnen,…